CONTAX G2

RÜCKKEHR ZUM CONTAX G-SYSTEM


Warum bin ich nach einigen Jahren zum CONTAX G-System zurückgekehrt? Die wohl abgewägte Entscheidung zugunsten eines feinmechanischen Messsucherkamera-Systems, hatte ja zur > ZEISS IKON ZM geführt. Dann stellte sich zwangsläufig die Frage, welche Optiken ich dazu benötigen würde? In meiner Gunst stand das Carl Zeiss ZM Biogon 21 mm ganz oben und sollte dann bei der Entscheidungsfindung eine große Rolle spielen. Der Preis für ein Biogon mit benötigtem Sucher und passender Gegenlichtblende war nicht unerheblich, aber bei meinen Recherchen stiess ich auf das in die Jahre gekommenen Contax G-System, welches über höchst brillante Optiken verfügte, darunter auch ein Biogon 21 mm. Ich stellte schnell fest, dass alleine der Preis für das Zeiss IKON ZM Biogon in einer Größenordnung lag, für die ich auf der anderen Seite zwei CONTAX G1 (1994-1996), das Biogon 21 mm inklusive Sucher sowie zwei weitere der vorzüglichen Carl Zeiss-Objektive zum Contax G-System bekommen konnte. Wie war das nur möglich?


Nun, die Contax G2 (1996-2005) war vor Jahren eine sehr teure Kamera und mehr für gut betuchte Leute als Zielgruppe gedacht. Heute hingegen ist sie für einen Bruchteil ihres einstigen Preises zu haben. Wohl auch deshalb, weil viele nun ihr Geld in digitale SLR-Kameras investieren. Im Grund kann sich heute jemand zum Preis einer Mittelklasse-DSLR eine exquisite Contax G2 mit einigen Spitzenobjektive von Zeiss kaufen.


Das beste am Contax G-System sind die absoluten Spitzenoptiken von CARL ZEISS, sieben Wechselobjektive mit schnellem Autofokus an der Zahl. Die Kameras selbst kommen mit automatischer TTL-Belichtungsmessung bei Blendenvorwahl sowie TTL-Blitzmessung, automatischer, schneller Filmeinfädelung, Filmtransport und Filmrückspulung.


Bei der Vorstellung der Contax G1 im Jahre 1994 war das alles schon eine Sensation und wurde seither von keinem anderen Hersteller von Messsucherkamera-Systemen überboten.


Mit der Vorstellung der Contax G2 im Jahre 1996 sollte das Contax-G-System dann weiteres Profil bekommen. Denn viele kleine, aber entscheidende Schritte sollten die damals neue Contax G2 deutlich nach vorne bringen. Die Verbesserungen gegenüber der G1 erfolgten im Detail, also genau dort, wo die G1 nicht so überzeugen konnte. Vor allem das Autofokussystem der G1 wies in der Praxis Schwächen auf. Demgegenüber überrascht die G2 angenehm. Sie hatte zwar keine AF-Kreuzsensor, war aber mit einem deutlich leistungsfähigerem AF-System als die G1 ausgestattet. Und zwar mit einem hybriden AF-System, bei dem sich die systembedingten Schwächen des aktiven und passiven Autofokus sozusagen gegenseitig ausgleichen.

Sehr angenehm auch der getrennte Autofokus-Start mit der AF-Taste an der Kamerarückwand. Mit der gleichen Taste ist auch AF-Speicherung unabhängig von der Belichtungsmessung möglich. Die AF-Betriebsart wird mit dem Ring, der die AF-Taste umschließt, eingestellt. Das Einstellrad für die manuelle Entfernungseinstellung ist ergonomischer platziert als bei der G1. Die manuelle Fokussierung ist aber fast genauso problematisch wie bei der G1, denn sie beschränkt sich auf die vom AF-System gemeldete Entfernung auf die entsprechende Skala einzustellen. Leider gibt es aber keine Möglichkeit, die Scharfeinstellung visuell zu beurteilen. Einen Mischbild-Entfernungsmesser wie bei der ZEISS IKON ZM gibt es konstruktionsbedingt nicht und das Sucherbild ist dementsprechend immer scharf. In der Praxis nutzte ich hauptsächlich den Autofokus, war doch das gerade das fortschrittliche an einer 35 mm-Messsucherkamera. Der eingebaute Dioptrienausgleich leistet übrigens dabei gute Dienste.


Zu den guten Lösungen zählt auch die automatische Brennweitenanpassung des Suchers, wobei der brennweitenabhängige Sucherausschnitt angezeigt wird, der etwa 90 Prozent des Bildausschnitts entspricht. Die Sucherparallaxe im Nahbereich wird automatisch korrigiert. Im unmittelbaren Nahbereich erfolgt kein vollständiger Parallaxenausgleich im unteren Bildteil. Die mittenbetonte integrale TTL-Belichtungsmessung (Verschlusszeit bis zu 1/6.000 Sekunde) funktioniert sehr gut. Die Belichtungsspeicherung mit dem Hauptschalter ist für Serienaufnahmen mit Serienbildschaltung bis 4 Bilder/Sekunde gut, aber ansonsten etwas umständlich zu bedienen. Aber mit der Individualfunktion 1 kann die Belichtungsspeicherung auch auf die erste Stufe des Auslösers gelegt werden. Sehr gut gelöst ist die manuelle Belichtungskorrektur in Drittelstufen sowie die Belichtungsreihenautomatik in halben Stufen. Eine tadellose Leistung liefern auch der motorische Filmtransport und die TTL-Blitzsteuerung (Blitzsynchronisation 1/200 Sekunde).


Insgesamt ist die G2 deutlich leistungsfähiger als die G1. Sie ist meines Erachtens eine sehr gut ausgestattete und gut zu bedienende AF-Sucherkamera mit robustem, hochwertigem Gehäuse. Die Objektive sind leicht zu wechseln, die Automation macht die Kamera schnell und präzise, überhaupt macht es Freude mit ihr zu fotografieren. Dazu das sehr gute Preis-/Leistungsverhältnis, ganz im Gegensatz zu einer neuen oder auch älteren > LEICA M oder NIKON SP Rangfinder, alle mit manuellem Fokus und umständlichen Filmhandling.


Nach all diesen Betrachtungen entschied ich mich, noch mal zum Contax G-System zurückzukehren. Mit etwas Geduld, gelang es mir bei Händlern noch Neuware beziehungsweise neuwertige Ware in Originalverpackung zu finden. Über den Preis zu handeln lohnte sich, stellen doch die Artikel des Contax G-Systems aufgrund der aufgezeigten Entwicklung heutzutage Ladenhüter dar.


Alle Objektive zählen meines Erachtens mit zu den besten Objektiven, die jemals für die Kleinbild-Fotografie hergestellt wurden. Höchst erstaunlich in Anbetracht dessen, die günstigen Preise. Ein Komplett-System für 1.500 € ist unschlagbar, wenn man bedenkt, dass alleine eine neue Amateur-DSLR in etwa das gleiche kosten kann.

Contax G2

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