NIKON FA

1983 VORGESTELLT - DIE NIKON FA


Man schreibt das Jahr 1983, als die NIPPON KOGAKU K. K. einer staunenden Öffentlichkeit ein Kameramodell mit aufsehenerregenden, neuartigen Eigenschaften präsentierte – die NIKON FA.


Im Verkaufsprospekt wurde die Nikon FA seinerzeit als Technocamera und intelligenter Multi-Automat vorgestellt. Grund dafür waren die damals völlig neue Art der Belichtungsmessung und die interne Datenverarbeitung mittels eines Mikroprozessors. Äusserlich kaum anders als die bewährte FE2 oder auch FM2, wurde die Nikon FA in schwarz und chrom angeboten. 1984 erschien anlässlich ihrer Wahl zur Kamera des Jahres sogar eine vergoldete Sonderauflage.


Mit der FA stand zum erstenmal eine Belichtungsautomatik zur Verfügung, die nicht auf einen blossen Durchschnitt hinarbeitete, sondern das Messergebnis etwa so analysiert, wie es ein erfahrener Fotograf auch machen würde. Sie überlegt sich, welchen Einfluss die Kontrastverhältnisse und die Helligkeitsverteilung im Motiv auf die Belichtungsmessung haben und um wieviel das Messergebnis gegebenenfalls korrigiert werden sollte, um eine Belichtung zu erhalten, die optimal auf das jeweilige Motiv abgestimmt ist. Möglich wurde diese Entwicklung überhaupt erst durch den Einsatz der zu dieser Zeit verfügbaren Miniaturelektronik.


Nikon nannte die Belichtungsmessung Automatic Multi Pattern Metering (AMP), bei der das einfallende Licht also nicht nach einem starren Schema gemessen wurde, vielmehr teilten die Techniker von Nikon das Sucherfeld der FA in insgesamt fünf fast gleich grosse Felder, die jeweils getrennt ausgemessen wurden.


Genauso wie die meisten anderen manuellen Nikons misst die FA die Belichtung auf der Mattscheibe durch zwei rechts und links am Okular angebrachte Messzellen, die jedoch in drei Segmente unterteilt sind. Dabei wird die Bildmitte als einziges Segment von beiden Messzellen angemessen, bildet entsprechend ihrer zentralen Lage also den Messschwerpunkt.


Die optimale Belichtung erfolgte in mehreren Stufen:


Zunächst wird anhand der unterschiedlichen Helligkeitsverteilung in den fünf Feldern die Lichtsituation erfasst. Dann finden Filmempfindlichkeit sowie Lichtstärke und Brennweite des angesetzten Objektivs Berücksichtigung. Nach Ermittlung des Motivcharakters werden die Parameter mit den im Mikroprozessor der FA gespeicherten Referenzenaufnahmen verglichen und danach die optimale Belichtung errechnet.  


Nikon stattete die FA neben der Mehrfeldmessung mit allen erdenklichen Arten der Belichtungssteuerung aus, also Programmautomatik (P), Zeitautomatik (A), Blendenautomatik (S) und manueller Abgleich (M). Die Nikon FA war damit auch Nikons erster Multiautomat.


Bei der Programmautomatik finden sich genau genommen zwei Programmautomatiken. Eine davon wählt grundsätzlich kürzere Belichtungszeiten. Diese Wahl des Programms erfolgt automatisch und hängt von der Brennweite des verwendeten Objektivs ab. Alle Brennweiten ab 135 mm sowie Zoom-Objektive mit einem Brennweitenbereich darüber, haben hinten einen kleinen Steuernocken im Hinterlinsen-Schutzring, der bei Ansatz des Objektivs einen Kontaktschalter im Spiegelkasten auslöst, den so genannten Brennweitenabgriff. Darüber stellt die Kamera fest, dass die Kurzzeitautomatik gewählt werden muss. Objektive vom Typ Ai-S, die E-Serie und die AF-Nikkore verfügen über diesen Steuernocken.


Neu ist auch die Blendenautomatik mit der automatischen Umschaltung am Bereichsende, der so genannten Cybernetic Override-Einrichtung.


In der Praxis bewirkt diese Funktion, dass wenn der Blendenbereich des Objektivs bei der eingestellten Zeit für eine korrekte Belichtung nicht ausreicht, die Kamera automatisch die nächst kürzere Verschlusszeit einstellt, und zwar solange, bis eine korrekte Belichtung möglich ist.


Gleiches gilt sinngemäss bei Unterbelichtung. Zusätzlich wird auch noch berücksichtigt, ob die eingestellte Zeit mit dem verwendeten Objektiv überhaupt eine unverwackelte Aufnahme zulässt. Bei Objektiven über 135mm-Brennweite werden daher keine längere Zeit als 1/125s toleriert. Im Sucher leuchtet übrigens ein entsprechendes Symbol auf, das auf diese Änderungen hinweist.


Der Fotograf hatte nicht nur die Wahl zwischen Zeit-, Blenden-, Programmautomatik und manueller Einstellung von Zeit und Blende, er konnte auch auf die AMP-Messung verzichten und auf die klassische 60/40%-mittenbetonte Messung umstellen. Diese kann bei Bedarf durch einen Drehknopf unter dem Selbstauslöser eingeschaltet werden. Die Nikon FA schaltet bei der manuellen Betriebsart automatisch auf diese Messmethode um, sowie auch dann, wenn ein Objektiv verwendet wird, wo der Blendensteuernocken für die Lichtstärkeneingabe fehlt.


Bei so viel Elektronik durfte natürlich auch eine TTL-Blitzmessung nicht fehlen und tatsächlich, es gibt sie und dazu noch mit Synchronzeiten bis 1/250s, wobei die Messung direkt auf der Filmoberfläche erfolgt.


Die obere Gehäusekappe ist über dem Prisma vergleichsweise deutlich breiter ausgefallen, hier musste die komplexe Elektronik für die AMP-Messung und die aufwendige Mechanik der Sucheranzeigen untergebracht werden. Am markanten Gehäuse befindet sich ferner ein abnehmbarer Handgriff.


Im Sucher der FA informiert eine digitale Flüssigkristallanzeige über die gemessene Verschlusszeit. Nur bei der Blendenautomatik (S) wird hier der errechnete Blendenwert angezeigt. Weitere Sucheranzeigen sind die in den Betriebsarten A und M optisch eingespiegelte Arbeitsblende, in der Betriebsart S die Verschlusszeit in einem eigenen Sucherbereich, eine Leuchtdiode als Hinweis auf eine eingestellte Belichtungskorrektur und eine Blitzbereitschaftslampe.


Neu im Nikon-Bajonett war neben dem schon erwähnten Brennweitenabgriff ein kleiner Stift, der knapp über der Objektivverriegelung sitzend den Objektivtyp abcheckt. Bei Ai-S, Serie E- und AF-Nikkore bleibt dieser Schalter ohne Kontaktgabe in einer Mulde des Objektivbajonetts. Bei den älteren Objektiven wird er eingedrückt und signalisiert der Nikon FA so, dass sie es hier mit einer nicht linearen Blendenmechanik zu tun hat und sie sich deshalb doch etwas mehr Zeit (ca. 20 ms) zum Nachmessen der effektiven Blende nehmen soll.


Die Nikon FA war die erste Nikon, die sämtliche Informationen wie Lichtstärke, verwendete Brennweite, eingestellte Blende und Filmempfindlichkeit digital verarbeitet und dadurch eine Verfälschung des Messergebnisses durch z. B. Staub auf einer Widerstandsbahn ausschloss.


Trotz ihrer digitalen Arbeitsweise sah die Nikon FA wie eine klassische Kamera aus. Aber auch mechanisch konnte die Nikon FA mit einigen Besonderheiten aufwarten. Neben dem Verschluss mit 1/4000 Sek. und der Spiegelmechanik mit Stossdämpfer verfügt sie über einen elektromagnetischen Auslöser, der ein butterweiches, verwacklungsfreies Auslösen ermöglicht. Nicht zu vergessen der Okularverschluss.


Als Motorantrieb wurde der extra für die Nikon FA entwickelte MD-15 mit 3,2 Bilder in der Sekunde vorgestellt. Dieser Motor unterscheidet sich von seinen Vorgängern dem MD-11 und dem MD-12 durch die elektrische Auslösung, wo hingegen die Auslösung der Kamera von den Vorgängern mechanisch durch einen elektrisch ausgelösten Stössel im Motor bewirkt wurde. Das setzt natürlich entsprechende Kontakte im Gehäuseboden voraus, die bei der Nikon FA vorhanden sind.


Es liessen sich aber ebenso gut der MD-12 oder der MD-11 anschliessen. Allerdings nur mit einer maximalen Bildfrequenz von 2,7 Bilder in der Sekunde, da diese Motoren die Kamera nur mechanisch auslösen. Und natürlich wird bei den beiden älteren Motortypen die Kameraelektronik nicht mit Strom versorgt.

 

Die aufgeführten Besonderheiten der FA verliehen dieser Kamera beim damaligen Stand der Technik zu einer absoluten Sonderstellung. Als selbstverständlich darf auch gelten, dass die FA als hochwertige Nikon voll in das Nikon-System integriert war. Zubehör wie der genannte Motorantrieb, eine Datenrückwand und die Blitzgeräte für TTL-Automatik von Nikon - um nur das wichtigste zu nennen - gehören ebenso hierzu wie das bekannt vielfältige Programm an Nikon-Objektiven.


Die generelle Ausstattung der FA liess keine Wünsche offen. Hierzu zählten der neue Titan-Lamellenverschluss mit Zeiten von 1 Sekunde bis 1/4000 Sekunde; verbesserter Spiegelkasten mit neuer Spiegeldämpfung und Abdeckplatte vor dem Bildfenster, drei auswechselbare Einstellscheiben; bequem mit dem Zeigefinger zu bedienender Programmwähler; seidenweicher Verschlussaufzug; Auslösesperre bei eingeschwenktem Schnellschalthebel; Mehrfachbelichtungshebel; Okularverschluss usw.


Trotz der für die damalige Zeit unübertroffenen technischen Neuerungen blieb der Nikon FA der grosse Verkaufserfolg jedoch versagt. Dafür dürfte es neben dem relativ hohen Verkaufspreis in Höhe von etwa 1.300 DM auch eine Rolle gespielt haben, dass zum Zeitpunkt, als die Nikon FA endlich in vollen Stückzahlen lieferbar war, ein neuer Stern am Kamerahimmel erschien.

Das Schicksal bescherte ihr dann auch keine lange Lebenszeit und schon 1989 wurde die Produktion eingestellt. Dennoch hat die Nikon FA als erste Kamera mit Mehrfeldmessung überzeugt, und stellt heute noch ein begehrtes Objekt der Fotogeschichte dar.


Eine pfleglich behandelte, von Dellen und Kratzern freie FA lässt sich dann auch auf dem Markt für Gebrauchtkameras leicht verkaufen und erzielt einen entsprechenden Preis. Nikon FAs werden allerdings in dem beschriebenen Zustand recht selten angeboten.



Technische Daten der Nikon FA:


Kameratyp

Einäugige Kleinbild-Spiegelreflexkamera


Bildformat

24 × 36 mm


Objektivanschluss

Nikon F-Bajonett


Sucher

Feststehender Prismensucher, mit Okularverschluss


Einstellscheibe

Vollmattscheibe mit Fresnel-Linse und zentralem Schnittbildindikator sowie Mikroprismenring (Nikon Scheibe K2, auswechselbar gegen Vollmattscheibe B2 oder Gitterscheibe E2)


Belichtungsmessung

- Matrix-Mehrfeld-Messung (AMP)

- Mittenbetonte Messung


Messbereich

- 1 bis 20 LW bei mittenbetonter Messung

- 1 bis 16 1/3 LW bei Mehrfeldmessung


Fokussierung

manuell


Belichtungssteuerung

- Programmautomatik (P), automatisch mit Kurzzeiten-Priorität bei

 Objektivbrennweite ab 135 mm, stufenlos

- Blendenautomatik (S), stufenlos

- Zeitautomatik (A), stufenlos

- manuell (M)


Belichtungskorrektur

−2 bis +2 LW in Drittelstufen, nur bei mittenbetonter Messung möglich


Verschluss

elektronisch gesteuerter, vertikal ablaufender

Metalllamellen-Schlitzverschluss mit Titan-Vorhängen


Verschlusszeiten

1 bis 1/4000 Sekunde, Langzeitbelichtung (Bulb)


Film-Empfdlichkeitseinstellung in 12 bis 4000 ASA in Drittelstufen


Filmtransport und Filmrückspulung

manuell, optionaler Motorantrieb MD-12 und MD-15


Bildzählwerk

mechanisch, vorwärtszählend, selbstrückstellend


Blitzkontakt

Standard-ISO-Normschuh

 

Blitzsteuerung

TTL


Blitzsynchronisation

1/250-Sekunde oder länger


Selbstauslöser

mechanisch, 10 Sekunden Vorlaufzeit


Stromversorgung

Eine Lithium-Batterie 3 V oder zwei Silberoxid-Batterien 1,55 V oder

zwei Alkali-Mangan-Batterien 1,5 V


Gehäuse

Kupfer-Silumin-Aluminiumlegierung


Abmessungen

zirka 143 × 92 × 65 mm


Gewicht

zirka 625 g

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PENTAX

AUTO 110