EINE HOMMAGE


Bildbände des Fotografen Francisco Hidalgo zusammenzutragen, gestaltete sich recht schwierig und gelang nur über einen längeren Zeitraum. Titel in Deutsch waren nicht aufzuspüren, obwohl seine Fotos nach unserer Recherche 1982 auf der Photokina in Köln ausgestellt wurden. Fündig wurden wir letztlich in Frankreich, England und Amerika.


Der am 17. Mai 1929 in Jaen / Andalusien geborene Francisco Hidalgo verriet einmal zu seinem 1985 erschienenen Fotoband PARIS eines seiner Geheimnisse «Ich suche keine Sujets, ich finde sie ganz einfach.» Wenn er durch die Strassen von Paris schlendere, entdecke er scheinbar zufällig eine einsame Parkanlage, einen kaum benützten Weg an der Seine oder eine Häuserzeile im warmen Licht der Abendsonne. Manchmal sei es eine eigenartige Atmosphäre, die ihn anziehe, dann wären es die Formen und Farben eines Monuments. Er blicke durch den Sucher seiner Kamera, fotografiere den ganz gewöhnlichen Stadtalltag und zeige Paris dennoch von seiner schönsten Seite. Da schweife der Blick etwa über die Dächer der Metropole und im Zentrum würden sich die weisen Kuppeln von Sacre-Coeur erheben. Ein Bild wie aus einem Märchenbuch, fern jeder Realität und trotzdem mitten aus dem Pariser Leben gegriffen. «Meine Art der Fotografie ist nicht kompliziert, höchstens die Art und Weise, wie man darüber spricht», so Hidalgo.


Die Aufnahmen zu PARIS gleichen einer einzigen Liebeserklärung an diese Stadt. Immer wenn möglich, versuchte er einen Zauber in die Bilder zu legen, manchmal mit Doppelbelichtungen, oder indem er ganz einfach die Natur ihre Kraft entfallen liess. Hidalgo gestand auch ein, die Menschen wieder zum Träumen bringen zu wollen.


Nach Paris zog es ihn schon 1954, er lebte im Quartier Latin mit den vielen Studenten, wo man lebt und liebt, arbeitet, streitet und sich im Bistro vom Stress erholt. Erlernt hatte Hidalgo den Beruf des Illustrators und ihn lange Jahre ausgeübt. In den 60er Jahren engagierte ihn das französische Fernsehen und schon bald erwachte seine Liehe zur Fotografie.


Er erinnert sich «Am Anfang wusste ich praktisch nichts über dieses Metier, ich kannte auch keinen Fotografen.»


Die Begabung lag ihm ganz einfach im Blut. Auch wenn er in jener Zeit die Arbeitsinstrumente des Illustrators durch jene des Fotografen ersetzt hat, so blieb eines davon unberührt: Seine ganz persönliche Sichtweise, die in seinem Schaffen immer zum Ausdruck kommt. Die ersten fotografischen Arbeiten entstanden in New York «Eine vollkommen verrückten Stadt», über die er immer schwärmte.


Seine Bilder verstand Hidalgo mehr als Eindrücke, die er mit nach Europa brachte, denn als eigentliche Fotografien. Doch das Publikum nahm sie begeistert auf.


Das LIFE MAGAZINE veröffentlichte seine Bilder, und schon bald entstand der erste Fotoband über NEW YORK. Reisen brachten Hidalgo in viele Winkel der Erde, es entstanden weitere Bildbände über HONGKONG, LONDON, VENEDIG, PERU und eben über PARIS.


Oft soll es vorgekommen sein, dass Francisco Hidalgo von Nachbarn oder Freunden angesprochen wurde «Wo ist denn dieses Bild entstanden?» Und der Altmeister der Fotografie antwortete in seiner natürlichen, einfachen Art «An jenem Ort, wo Du schon hundert Mal achtlos vorbeigelaufen bist.


APRIL 2011


Da er und sein Schaffen in der Fotoszene weitgehend vergessen sind, haben wir die Nachricht von seinem Tod erst jetzt und auch nur zufällig entdeckt. Selbst in der Wikipedia findet man noch keinen Eintrag über einen der international erfolgreichsten Städte-Fotografen der achtziger Jahre.


Laut einem Nachruf in der spanischen Tageszeitung El Pais starb Francisco Hidalgo bereits am 25. Juli 2009 im Alter von achtzig Jahren in Paris. Es bleiben uns nur seine magischen, damals mit den weltbesten Zoom- und Weitwinkel-Objektiven von Nikon erzeugten Bilder als Erinnerung.

FRANCISCO HIDALGO

Verlag Photographie
Paris