PLAUBEL MAKINA 67

ERFAHRUNGSBERICHT UND DATEN ZUR PLAUBEL MAKINA 67


1. Einleitung

2. Konzept Rollfilm-Klappkamera

3. Präzisionskameras von Plaubel

4. Übernahme durch japanische Doi-Gruppe

5. Modell 67 - Ergebnis einer traditionsreichen Entwicklung

6. Völlig neu - Der integrierte Belichtungsmesser

7. Ein Panzergehäuse

8. Elegante Filmtransportmechanik

9. Klassisches Scherenspreizen-System

10. Schnelle Belichtungsmessung

11. Objektivleistung

12. Resümee

13. Für Liebhaber

14. Handbuch



1. Einleitung

Nachdem mir in der Bretagne mit einer Plaubel Makina 67 einige meiner schönsten Aufnahmen gelangen, wollte ich doch etwas mehr über Hintergründe und Geschichte zu dieser phantastischen Kamera und der Firma Plaubel erfahren. In der Folge konnte ich im Rahmen meiner Recherchen im Internet Daten zusammentragen, die für den ein oder anderen Besucher dieser Seite von Interesse sein könnten. Ergänzend eingeflossen sind in den Bericht ein paar eigene Erfahrungen und ganz persönliche Ansichten. Nicht jede Information konnte ich nachprüfen, sollten Sie also Fehler bemerken oder Fragen und Ergänzungen haben, so schreiben Sie mir doch bitte. Am Ende des Berichts findet der Leser auch Hinweise auf Fundstellen im Internet, die teilweise wahre Schatzgruben darstellen.


2. Konzept Rollfilm-Klappkamera

Es ist wohl schon Geschichte, dass mit der ungeheueren Ausbreitung des Kleinbildformats in der Amateurfotografie die Rollfilm-Klappkamera zu einem Nischenprodukt wurde, zumal der Mittelformat-Profi fast ausschliesslich zur Reflexkamera wie die zweiäugige Rolleiflex oder zur einäugigen Reflex mit Wechseloptik, wie von Hasselblad, Mamiya und Pentax griff. Trotzdem bot die Konstruktion der Rollfilm-Klappkamera einige Vorteile - sonst hätte sie sich ja wohl kaum so viele Jahrzehnte lang und so vielfältig behaupten können.


Zu den Vorzügen zählte sicherlich ganz besonders, dass dieser Kameratyp bei einem verhältnismässig grossen Bildformat eine leichte und kompakte Taschenkamera ergab. Allerdings nach meinen Erfahrungen höchstens für die Rocktasche und nicht für die Hosentasche. Versehen mit einem erstklassigen Objektiv, Verschluss und Messsucher hätte eine Rollfilm-Klappkamera ohne weiteres die Forderungen einer Profikamera erfüllen sollen und so war es dann auch die Firma Plaubel, die mit ihrer unvergleichlichen Klappkamera-Tradition für Presse und Rollfilm, dieses Kamerakonzept in einer gelungenen Form und mit gekuppelter Messung wiedererwecken sollte.


3. Präzisionskameras von Plaubel

Die Plaubel Feinmechanik und Optik GmbH in Frankfurt war Generationen hindurch als eine Heimstätte hocheleganter, mechanischer Konstruktionen bekannt. Bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts fertigte sie zahlreiche Präzisionskameras, darunter ihr berühmtestes Erzeugnis, die Original-Filmpack-Kamera Plaubel Makina.


Viele Fotografen begrüssten seinerzeit diese als die eleganteste Pressekamera. Die Makina begann und endete ihr Dasein als eine Klappkamera 6x9 cm für Planfilm und Filmpack. Im Laufe einer jahrzehntelangen Entwicklung erhielt sie allmählich einen gekuppelten Entfernungsmesser, aber mit separatem Sucher, Wechselobjektive und Rollfilm-Rückteile.


Die Makina lag wie alle Kameras von Plaubel in einer gehobenen Preisklasse, war hervorragend verarbeitet und luxuriös in der Ausführung - meistens verchromt oder vernickelt. Sie liess sich ganz flach zusammenlegen und war ungemein kompakter als amerikanische Pressekameras. Die Scharfeinstellung erfolgte über einen Knopf, der den Winkel zwischen zwei die Vorderstandarte tragenden Scherenspreizen verstellte. Je kleiner der Winkel zwischen den Spreizen, desto näher lag die Einstellung.


Übrigens soll dieses System auch der Firma Minolta gefallen haben - unmittelbar vor dem letzten Weltkrieg fertigte Minolta mit der Auto Semi Press eine praktisch perfekte Kopie.


Als der Markt für die Rollfilm-Pressekamera in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts schrumpfte, wandte sich Plaubel mehr der Herstellung von Fach- und Spezialkameras zu und fertigte Grossformatkameras 6x9 bis 18x24 cm sowie die Makiflex und Pecoflex, zwei merkwürdige einäugige Reflexkameras 6x9 cm mit Wechselobjektiven und Wechselrückteilen sowie auch die originelle Brooks/Plaubel Veriwide, eine besonders unter Architektur-Fotografen beliebte Weitwinkel-Rollfilmkamera.


4. Übernahme durch japanische Doi-Gruppe

Die Firma produzierte die letzte Makina, das Modell III R, bis 1962, dann aber nur noch Grossformat-Fachkameras. Schliesslich ging Plaubel 1975 in den Besitz der japanischen Doi-Gruppe über, deren Aktivitäten sich von Fotogeschäften bis zum Grosshandel, Laborarbeit und mit Plaubel bis zur Geräteherstellung erstreckten.


Der Gründer und Geschäftsführer, Herr Kimio Doi, hielt an die bis auf das Jahr 1902 zurückgehende Fertigungstradition der Firma Plaubel fest und so wurden die Fachkameras weiter im Frankfurter Werk gefertigt. Einige der Techniker und Konstrukteure erhielten damals aber sofort den Auftrag, eine wirklich moderne Ausführung der klassischen Mittelformatkamera von Plaubel, der Makina, zu entwickeln.


5. Modell 67 - Ergebnis einer traditionsreichen Entwicklung

Nach einer Entwicklungszeit von mehr als fünf Jahren und unter einer wichtigen technischen Design-Mitarbeit des Münchner Professors Udo M. Geissler wurde dann die neue Plaubel Makina 67 präsentiert. So beeindruckend wie die frühere Plaubel Makina-Serie, aber viel einfacher in der Bedienung und mit weit besserer optischer Leistung. Die in Japan gefertigte Kamera war eine Messsucher-Klappkamera, lieferte 10 Aufnahmen 6x7 cm auf Rollfilm 120.


Im Gegensatz zu den späteren Versionen der ursprünglichen deutschen Plaubel Makina, die vor einem Zentralverschluss Compur-Rapid Wechselobjektive in einer Bajonettfassung einsetzte, hat die 67 ein fest eingebautes Objektiv Nikkor 1:2,8/80 mm in einem Zwischenlinsen-Zentralverschluss von Copal.


Das Objektiv und der Verschluss übertrafen zwar die Spitzenwerte der Vorgänger, aber auf den ersten Blick war das fest eingebaute Objektiv trotz seiner optischen Überlegenheit vielleicht doch ein Schritt rückwärts.


Der zweite grosse Unterschied lag im Sucher- und Einstellsystem. Die alten Makinas hatten einen hochvergrössernden Entfernungsmesser, einen separaten optischen Aufklappsucher mit manuellem Parallaxenausgleich und einen eingebauten Rahmensucher. Das Modell 67 wartet hingegen mit einem modernen Messsucher mit einprojiziertem Leuchtrahmen und Parallaxenausgleich auf. Der Sucher der 67 zeigt ein etwas verkleinertes Bild (0,67x), war dadurch aber auch recht kompakt. Die verhältnismässig lange Entfernungsmesserbasis von 63 mm sichert zudem eine hinreichende Einstellgenauigkeit. Das Objektiv ist praktisch eine Halbweitwinkeloptik, da die Brennweite von 80 mm beim Format 6x7 cm etwa 37 mm Brennweite für das Kleinbildformat entspricht und so eine genaue Einstellung selbst an der Naheinstellgrenze und mit den grössten Blenden ermöglicht.


6. Völlig neu - Der integrierte Belichtungsmesser

Bis hierhin waren die Merkmale keineswegs aussergewöhnlich, denn Messsucher, auch mit Leuchtrahmen und Parallaxenausgleich, gab es schon seit vielen Jahren. Vollständig neu dagegen war der integrierte Belichtungsmesser. Die Kamera misst nicht durch das Objektiv, aber wo war dann das Messzellenfenster? Nun, es gab kein solches. Die Gallium-Fotodiode sitzt unter der Deckkappe im Raum zwischen dem runden Entfernungsmesserfenster und der mattierten Beleuchtungsscheibe für den Leuchtrahmen.


Der Messsucher der Makina 67 besteht aus drei Hauptspiegeln. Der erste sitzt hinter dem runden Entfernungsmesserfenster. Der zweite - mit einem zentralen Durchbruch - liegt hinter der Beleuchtungsscheibe in der Mitte und spiegelt den Leuchtrahmen in das Sucherbild ein. Der dritte ist ein Strahlenteiler, der das Licht vom ersten Spiegel reflektiert und gleichzeitig direkt durch das vordere Sucherfenster kommendes Licht durchlässt.


Alle drei Spiegel sind feststehend und die Verschiebung des Entfernungsmesser-Bildes erfolgt durch das Vor- und Rückschwenken der Konvexlinse vor der winzigen Teleskop-Optik - ein System, das an den Entfernungsmesser der Zeiss Ikon Messsucherkamera erinnert.


Wie erreicht nun das Licht die Messzelle? Hier wird die Sache genial: Zwischen dem positiven Vorderglied und negativen Hinterglied des winzigen Teleskops lässt ein weiterer Halbspiegel etwa 80 Prozent des einfallenden Lichtes durch und projiziert 20 Prozent durch eine kleine Sammellinse auf die Gallium-Fotodiode. Da nur die Zentralstrahlen des auf den ersten Hauptspiegel einfallenden Lichtes die Fotodiode erreicht, ergibt diese Anordnung eine mittenbetonte Messung, schützt aber die Messzelle hervorragend gegen Fremdlicht. Das Messsuchersystem der Makina hat zudem zwei wichtige Vorteile: Der Aufbau ist einerseits robust und erfordert andererseits keine ultrapräzise Ausrichtung. Diese Messsucher-Anordnung verliert dank sehr genauer Konstruktion nur minimal an Sucherhelligkeit.


7. Ein Panzergehäuse

Das Gehäuse sieht auf den ersten Blick nach einer Kunststoffkonstruktion und weniger nach bekannter Plaubel-Tradition aus. Dieser erste Eindruck täuscht aber, denn das Äussere der Kamera ist weitgehend fein strukturierter schwarzer Kunststoff - ein in vielen Kleinbildkameras eingesetztes, glasfaserverstärktes Kunstharz. Innen aber, wo es darauf ankommt, besteht die Makina 67 aus solidem Leichtmetall.


Das angelenkte Rückteil, das sauber in eine Rille zwischen dem Gehäuse selbst und der Aussenverkleidung eingreift, ist ebenfalls ein Leichtmetallguss mit einer dünnen, der übrigen Kamera entsprechenden Kunststoffbeschichtung. Aus Leichtmetall gegossen und vorn mit einer Kunststoffplatte verkleidet ist zudem die das Objektiv tragende Vorderstandarte.


Wer sich mit Sehnsucht an die metallblanken Makinas früherer Jahre erinnert, hat vielleicht weniger für die Ausführung des Modells 67 übrig, aber dafür ist die 67 bedeutend abriebfester und fällt viel weniger auf als die frühere Chromversionen.


8. Elegante Filmtransportmechanik

Zum Öffnen der Rückwand drückt man auf den Federriegel an der rechten Seite der 67, worauf die Rückwand nach links aufklappt. Das Kamerainnere offenbart keine Überraschungen: Die Rückwand trägt eine 70x84 mm grosse, strukturierte, auf Federn montierte Andruckplatte und eine Filmführungswalze. Am Hauptgehäuse sitzen links und rechts die Filmabteile und oberhalb und unterhalb des Filmfensters je zwei hervorragend präzise ausgeführte Filmführungskufen. Beide Filmabteile haben eine vortreffliche Spulenhalterung: Man drückt einen kleinen geriffelten roten Hebel nach rechts, worauf der Spulenhaltezapfen an der Unterseite herausspringt und so das Einlegen der Spule vereinfacht. Sobald die Spule im Abteil sitzt, drückt man den kleinen herausgesprungenen Knopf in der Kameraunterseite rein, worauf der Zapfen wieder in die Spulenbohrung eingreift. In jedem Filmabteil befindet sich eine Flachfeder, die ein vorzeitiges Aufrollen verhindert.


Bemerkenswert sind zwei Filmführungswalzen: Eine dünne neben dem linken Filmabteil und eine viel dickere am oberen und unteren Ende gerändelte Walze neben dem rechten Filmabteil. Auf den ersten Blick scheint die zweite Walze den Filmablauf für die automatische Transportsperre zu dosieren. Das tut sie aber nicht: Die gerändelten Walzenenden betätigen den Bildzähler in Verbindung mit einer echten Bildabstandsmessung. Diese besteht aus einer Kurve mit unterschiedlich angeordneten Kerbungen und liegt unter der Transporthebelachse. Die Kerbungen liegen mit zunehmender Aufnahmezahl näher zusammen.


Das Schutzpapier wird über das Filmfenster gezogen, in die Aufwickelspule eingesteckt und mit Hilfe des 50 mm langen und mit einer Kunststoffspitze versehenen Schalthebels weiter geschaltet, bis die senkrechten Pfeile auf dem Papier genau je zwei doppelten Pfeilspitzen ober- und unterhalb der Filmführungskufen gegenüberliegen. Nun schliesst man die Rückwand, die gleichzeitig den Bildzähler und die Schaltsperre durch Druck auf zwei winzige Federknöpfe unmittelbar über der rechten Spule einschaltet.


Der Schalthebel hat einen Schwung von 185 Grad, aber ohne Ratschengetriebe. Man schwenkt nun diesen Hebel mehrere Male bis er sperrt. Dabei spannt sich automatisch der Verschluss und der Bildzähler zeigt die 1 an. Der erste Filmabschnitt ist für die Aufnahme bereit. Zum Vorschalten auf das erste Bild braucht man übrigens den Verschluss nicht auszulösen. Auch blockiert der Schalthebel nur, wenn ein Film eingelegt ist und der Bildzähler funktioniert ebenfalls nur dann - doch eine elegante Mechanik oder?


Die Einstellung der Filmempfindlichkeit befindet sich unterhalb des Objektivs und ist mit dem Verschlusszeitenring verbunden. Der letztere umgibt - wie auch der Blendenring - konzentrisch das Objektiv. Zur Einstellung der Filmempfindlichkeit hält man den Verschlusszeitenhebel mit der linken Hand fest, sodass sich die Skala nicht bewegte, und dreht den ganz schmalen Rändelring hinter den Belichtungseinstellringen, bis ein roter Punkt dem entsprechenden Empfindlichkeitswert gegenüberliegt.


Die Einstellung ist zugegeben etwas mühsam, dagegen ist es praktisch unmöglich, die Filmempfindlichkeit versehentlich zu verstellen. Zur Einstellung der Blendenwerte dreht man den vorderen Objektivring am linken Rändelhebel. Der Blendenring hat keine Rasterstellungen. Verschlusszeiten werden mit dem oben erwähnten rechten Rändelhebel eingestellt. Für alle Einstellungen gilt die weisse Einstellmarke oben am vordersten Objektivring - also eine altbewährte Anordnung. Beide Skalen haben grosse und leicht lesbare weisse Ziffern auf schwarz und bleiben m. E. auch bei schwachem Licht gut sichtbar.

Plaubel Makina 67
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